Elternunterhalt

Wenn Kinder Unterhalt für ihre Eltern zahlen sollen


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Thema: Elternunterhalt Berechnung

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Zomi09
05.03.2016, 15:41
Hallo hier im Forum.

Ich habe mich schon viel belesen, aber leider noch nicht alle Antworten bekommen:-)

Folgender Sachverhalt:

Meine Frau ist seit dem 10. Lebensjahr bei ihrer Oma aufgewachsen. Eltern haben sich nie gekümmert und ein Kontakt besteht seit über 30 Jahren nicht wirklich.
Vater ist verstorben und jetzt muss die Mutter wohl zeitnah in ein Pflegeheim.
Daher machen wir uns jetzt natürlich Gedanken über Elternunterhalt.
Ob moralisch vertretbar bei solch einer Kindheit sei mal dahingestellt, aber der Gesetzgeber sieht es ja nun einmal so vor....

Die Berechnungen habe ich soweit verstanden, aber ein paar ergänzende Fragen hätte ich dann doch noch.

Wir sind beide berufstätig und meine Frau UHP. Ihre berechneten Fahrtkosten wären weniger als die laufende Kreditbelastung für ihr Auto. Wie verhält sich das denn?

Meine Fahrtkosten sind allerdings enorm hoch, da die einfache tägliche Strecke 73KM beträgt. Ich kann aufgrund von teilweise täglichen, unvorhersehbaren unregelmäßigen Arbeitszeiten nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Bei der Steuer werden die Fahrtkosten auch so anerkannt.
Kann ich diese Fahrtkosten 645.- / Monat in Abzug bringen?

Eine weitere Frage hätte ich noch zum Wohnvorteil.
Wir haben vor 7 Jahren eine Doppelhaushälfte (130qm)gekauft und leben dort mit unserer 7 jährigen Tochter.
Die Kaltmiete, soll laut Netz zwischen 5,5 - 6 Euro /qm bei uns liegen.
Unsere reinen Zins und Tilgungsraten belaufen sich auf monatlich 880 Euro.
Wie muss ich das rechnen?

Als letztes wäre dann noch die Altersvorsorge. Als Ehepartner habe ich ca. 8% vom Brutto bei mir und bei meiner Frau ca. 6%.

Wie verhält es sich wenn beide Ehepartner Beamte sind? Sind da diese Altersvorsorgebeträge in Ordnung?
Als Ergänzung: Wir haben diese Altervorsorge nach meiner Scheidung der ersten Ehe so gewählt, da ich mehrere hundert Euro Versorgungsausgleich von meiner späteren Pension abführen muss. Soll eine Art Ausgleich fürs Alter sein.

Fragen über Frsgen:-)

Vielen Dank vorab und schöne Grüße


fridolin
06.03.2016, 02:49
Ihre berechneten Fahrtkosten wären weniger als die laufende Kreditbelastung für ihr Auto. Wie verhält sich das denn?
----
Kredite, die vor der RWA aufgenommen wurden, müssen in voller Höhe anerkannt werden.
fridolin
06.03.2016, 02:52
Meine Fahrtkosten sind allerdings enorm hoch, da die einfache tägliche Strecke 73KM beträgt.
----
Richtig!

Die meisten OLG rechnen so:

(30km *0,30 EUR/km + 43 km * 0,20EUR/km)*2 *220 Tage/Jahr / 12 Monate/Jahr = 645 EUR
fridolin
06.03.2016, 02:57
Eine weitere Frage hätte ich noch zum Wohnvorteil.
Wir haben vor 7 Jahren eine Doppelhaushälfte (130qm)gekauft und leben dort mit unserer 7 jährigen Tochter.
Die Kaltmiete, soll laut Netz zwischen 5,5 - 6 Euro /qm bei uns liegen.
Unsere reinen Zins und Tilgungsraten belaufen sich auf monatlich 880 Euro.
---

Der SHT sollte maximal so rechnen:

130 * 5,75 - 880 = - 132 EUR

Es ergibt also einen negativen Wohnvorteil.
fridolin
06.03.2016, 03:00
Wie verhält es sich wenn beide Ehepartner Beamte sind? Sind da diese Altersvorsorgebeträge in Ordnung?
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Für den UHP werden maximal 5% des Brutto anerkannt, der Ehepartner sollte 10% anerkannt bekommen, egal ob Beamter oder Angestellter. Für die 10% wird man evtl. kämpfen müssen. Ich denke aber die Chancen sind gut, insbesondere, wenn der Ehepartner mindestens gleich viel verdient.

Die reinen Tilgungsleistungen für die Immobilie sind aber bereits Altersvorsorge und müssen heraus gerechnet werden.

fridolin
06.03.2016, 09:36
Ob moralisch vertretbar bei solch einer Kindheit sei mal dahingestellt, aber der Gesetzgeber sieht es ja nun einmal so vor....
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Da würde ein Gericht die Frage stellen:

Warum kümmerten sich die Eltern nicht?

a) Konnten sie es nicht?
b) Wollten sie es nicht?
c) Zahlten sie zumindest Unterhalt?

Zomi09
06.03.2016, 09:37
Guten Morgen und vielen Dank für die ersten Antworten.

Zu den Fahrtkosten: Meine Frau hat nur 12 Km Wegstrecke zur Arbeit. Hat sich aber im letzten Jahr ein neues Auto gekauft und zum Teil finanziert. Daher wären diese Kreditraten über dem errechneten Betrag für die Fahrtstrecke.
Dachte immer, dass die Autokreditkosten in der Wegstreckenberechnung mit inbegriffen sind.


Was heisst denn Tilgungsleistungen der Immobilie müssen aus der Altersvorsorge heraus gerechnet werden. Dann werde ich ja für eine hohe Tilgung meiner Immobilie "bestraft", puh ist das kompliziert.

Wir haben noch einen fondsgebundenen Sparplan für unsere Tochter, Lauzeit bis zum 18. Geburtstag. Den dürfte ich dann ja auch mit ansetzen, oder?

Wie ist denn eure grundsätzliche Erfahrung mit den Sozialträgern. Kann man versuchen die ersten "Verhandlungen" selbst zu führen und erst bei nicht Einigung einen Anwalt hinzuziehen. Oder lieber von Anfang an sich vertreten lassen.

fridolin
06.03.2016, 09:44
Dachte immer, dass die Autokreditkosten in der Wegstreckenberechnung mit inbegriffen sind.
---
In der Regel ist das so, aber da der Kredit bereits vor der RWA bestand, geht er vor.
fridolin
06.03.2016, 09:48
Was heisst denn Tilgungsleistungen der Immobilie müssen aus der Altersvorsorge heraus gerechnet werden.
---
Tilgung = Vermögensbildung, deshalb muss man das zusammen betrachten.

Tilgung + weitere Altersvorsorge werden nur bis zu einer bestimmten Höhe anerkannt.

Wobei m.E. auch hier gilt:

Der Ehegatte unterliegt nicht den gleichen Beschränkungen wie der UHP.
fridolin
06.03.2016, 09:53
Wie ist denn eure grundsätzliche Erfahrung mit den Sozialträgern. Kann man versuchen die ersten "Verhandlungen" selbst zu führen und erst bei nicht Einigung einen Anwalt hinzuziehen. Oder lieber von Anfang an sich vertreten lassen.
----

Schlecht.
Sozialhilfeträger wollen nur dein Bestes und das ist dein Geld.

Tipp:

Keine Verhandlungen führen.
Eigenen Standpunkt klipp und klar vertreten.
Nie beim SHT persönlich vorsprechen oder telefonieren.
Alles schriftlich abwickeln. Kopien von allen Schriftstücken anfertigen und gut aufheben.

Einen Anwalt braucht man außergerichtlich nicht.
Den sollte man nur einschalten, wenn man keine Nerven hat oder emotional zu aufgeladen ist.

Zomi09
06.03.2016, 10:00
Vielen Dank erstmal und es kommen demnächst sicherlich noch weitere Fragen:-)

Ist halt schwierig und ein sehr aufwühlendes Thema, wenn seit frühester Kindheit kein Kontakt bestand und selbst die ersten 10 Kindheitsjahre bei den Eltern der "Horror" war.

fridolin
06.03.2016, 10:35
Wir haben noch einen fondsgebundenen Sparplan für unsere Tochter, Lauzeit bis zum 18. Geburtstag. Den dürfte ich dann ja auch mit ansetzen, oder?
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Ich vermute, dass ein SHT das nicht so ohne Weiteres anerkennen wird und dass man darum kämpfen muss.

Ich würde außergerichtlich trotzdem darauf bestehen.

Begründung:

Die Ausbildung des eigenen Nachwuchses geht vor Unterhaltszahlungen an ein Elternteil, um so mehr als die sich nie selbst gekümmert haben.

Das wird sogar in Art 6 GG verpflichtend vorgeschrieben.

Ein Studium wird sehr teuer sein. Wohnen in einer anderen Stadt, Mieten in den Uni-Städten sind teuer, Auslandssemester sind die Regel und auch teuer.

Keiner weiß, ob es das eigene Einkommen einmal zulassen wird, eine teure Ausbildung zu finanzieren.

Vielleicht findet man auch einen Richter, der das so sieht, vor allem da dieses Sparen bereits vor Kenntnis einer Unterhaltsforderung begonnen wurde.
Zomi09
06.03.2016, 12:15
Jetzt muss ich nochmal nachfragen bzgl. Verrechnung Altersvorsorge / Tilgung unseres Hauskredit.

Wenn ich die Tilgung vom Haus gegen die Altersvorsorge gegen rechne, bleibt ja nichts mehr über.
Das kann doch nicht der Sinn unserer Altersvorsorge sein.
Ich "verliere" ca. 500 Euro an Pension durch die Scheidung meiner 1. Ehe und daher möchte und muss ich dieses Minus duch den Versorgungsausgleich natürlich fürs Alter zusätzlich abdecken.

Könnte solch ein "extra" Umstand evtl. vor Gericht durchsetzbar sein?

Sind denn die angenommenen 10% Altersvorsorge Ehegatte reine Altersvorsorge oder kann die Tilgung vorab gegen gerechnet werden und ich stocke die Beträge entsprechend auf.

Bisher haben wir noch nichts vom SHT gehört....
fridolin
06.03.2016, 12:22
Ich "verliere" ca. 500 Euro an Pension durch die Scheidung meiner 1. Ehe und daher möchte und muss ich dieses Minus duch den Versorgungsausgleich natürlich fürs Alter zusätzlich abdecken.
---
Man könnte eine solche Argumentation versuchen, ich denke nicht, dass sich ein SHT darauf ein lässt, so dass diese Frage von einem Gericht entschieden werden müsste.

Der Versorgungsausgleich geschieht auf der Grundlage von gültigen Gesetzen, immerhin hat die Ehefrau in der ersten Ehe auch einen Beitrag geleistet und der Versorgungsausgleich spiegelt das wieder.
fridolin
06.03.2016, 12:31
Sind denn die angenommenen 10% Altersvorsorge Ehegatte reine Altersvorsorge oder kann die Tilgung vorab gegen gerechnet werden und ich stocke die Beträge entsprechend auf.
----
Wie schon gesagt beziehen sich die Beschränkungen nur auf den Pflichtigen selbst und nicht auf den Ehepartner.

M.E. muss ein Ehepartner nicht auf seine eigene Altersvorsorge verzichten, um dadurch seiner Ehefrau zu ermöglichen, ihren Eltern mehr Unterhalt zu gewähren.

Es gibt auch mindestens ein Urteil, das das bestätigt, ich habe es gerade nicht zur Hand.

Da heißt es sinngemäß, dass eine höhere Altersvorsorge beim Ehegatten hinzunehmen ist, wenn sie angemessen und nicht übertrieben ist.

Schau dir doch mal diese Diskussion an:

http://www.elternunterhalt.org/Beitrag/3602_altersvorsorge.html
Zomi09
06.03.2016, 13:00
Danke.

Wenn es nicht so eine "traurige" Vorgeschichte geben würde, wären wir sicherlich nicht so kritisch mit der Einsicht zum bezahlen.

Schönes Forum hier, muss euch mal ein großes Lob aussprechen:-)

Werde weiter alle Infos aufsaugen und immer mal wieder berichten wie es weitergeht.

Es ist noch eine weitere Tochter da. Diese hatte "etwas" mehr Kontakt und lebt allerdings mit ihrer Familie auf einer britischen Kanalinsel.

Wie macht der SHT denn bei solch einem Wohnsitz etwaige Forderungen geltend?
Die Löhne sind dort wesentlich höher, da es eine sogenannte "Bankeninsel" ist. Zählt zwar zu England, aber wird oftmals als sog, Drittstaat behandelt, aufgrund der steuerlichen Vorzüge.
Die Lebenshaltungskosten sind auf diesen Inseln entsprechend höher.
Da kann ja sicherlich nicht die deutschen Sätze angewendet werden, oder?


fridolin
06.03.2016, 13:28
Falls es weitere Fragen geben sollte empfehle ich dieses Forum

http://www.forum-elternunterhalt.de/

Dort gibt es bessere Editiermöglichkeiten mit Vorschau, eine umfangreiche Urteilssammlung, eine Benachrichtigung über neue Einträge, eine gute Suchfunktion und viele sachkundige und engagierte Forumsmitglieder
lieschen
06.03.2016, 18:29
Zomi09, auch wenn deine Frau keinen Kontakt zu ihrer Mütter hatte, muss trotzdem Elternunterhalt gezahlt werden. Es gibt 2 Gründe, dass man keinen Unterhalt zahlen muss. Das ist Missbrauch oder / und Mißhandlung. Ich habe das gerade erfolgreich bzgl. Unterhalt meiner Mutter hinter mir.
Zomi09
06.03.2016, 18:59
Ja lieschen, das ist uns klar. Aber ganz ehrlich, bei der Vorgeschichte würde jeder Euro doppelt "weh" tun.

lieschen
06.03.2016, 20:53
Zomi09, das kann ich mehr als gut verstehen. Wenn es in meinem Fall auch recht einfach war, so hat es dennoch 8 Monate gedauert bis das SA das anerkannte. Eben weil ich eure Vorgeschichte nicht kenne schreibe ich es hier ja. Mißhandlung z. B. hat viele Gesichter. Lasst es doch mal durch einen Anwalt prüfen. Vielleicht habt Ihr Glück. Drücke die Daumen.
fridolin
06.03.2016, 23:33
Es gibt 2 Gründe, dass man keinen Unterhalt zahlen muss. Das ist Missbrauch oder / und Mißhandlung.
----

Und wenn Eltern selbst keinen Unterhalt gezahlt und ihre Erziehungsaufgabe nicht erfüllt haben, obwohl sie es gekonnt hätten.

Da die UHP ab ihrem 10. Lebensjahr bei ihren Großeltern aufgewachsen ist ergibt sich die Frage, die ich oben schon gestellt habe:

Warum kümmerten sich die Eltern nicht?

a) Konnten sie es nicht?
b) Wollten sie es nicht?
c) Zahlten sie zumindest Unterhalt?
Zomi09
07.03.2016, 19:57
Also...

Sie wollten und konnten es nicht, aufgrund Alkoholabhängigkeit und exzentrischer Zigarettensucht und das die eine Tochter halt "nicht gewollt" war und entsprechend behandelt worden ist.
Im 10. Lebensjahr wurde die Tochter dann mit einem Müllsack mit Kleidung mitten in der Nacht bei der Oma abgegeben und der Kontakt abgebrochen....Nach dem Motto: Ein Problem weniger!

Wird sicherlich schwierig sein, dass entsprechend zu belegen. Zumal die Oma leider nicht mehr lebt.
Zomi09
07.03.2016, 19:58
Ergänzung noch.... das Kindergeld wurde dann später an die Oma weitergegeben
lieschen
07.03.2016, 21:20
Zomi09, so traurig es auch ist, habe Urteile gelesen, dass es heißt, bei psychischen Erkrankungen sowie Alkoholabhängigkeit muss man Elternunterhalt zahlen. Die Tochter nicht gewollt haben..., da ist schon entscheidend, was sie gesagt haben. Wenn Ihr eine Rechtsschutzversicherung habt bzgl. EU, würde ich mir einen Anwalt nehmen und versuchen, etwas zu erreichen.

Ich musste die Vorfälle schriftlich verfassen. Unterlagen gab es beim Jugendamt natürlich nicht mehr. Ich benötigte Stellungnahmen von Menschen die etwas dazu sagen konnten. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, würde ich es auf jeden Fall versuchen. Viel Glück

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